| Beruf und Chance | |
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| Brigitte Scheidt, Berlin Coach, Psychologische Psychotherapeutin |
Aufstieg, Macht, Status, Erfolg werden in vielen Unternehmen an Führungspositionen
mit Personalverantwortung gekoppelt. Entsprechend streben viele - freiwillig
oder weil es von ihnen erwartet wird - solche Führungspositionen an. Führung
ist allerdings Beziehungsarbeit, und nicht jeder ist darauf gut vorbereitet.
Insbesondere die fachlich exzellenten Experten haben oft wenig Verhaltensrepertoire
im Kontakt mit Mitarbeitern. So ist zu beobachten, daß manche als Leitung dazu
tendieren, Mitarbeiter (unbeabsichtigt) zu überfordern oder vor den Kopf zu
stoßen. Andere wiederum handeln eher übervorsichtig, stark kontrollierend und
Konflikte vermeidend. Infolgedessen werden sie von ihren Mitarbeitern entsprechend
gefürchtet oder abgelehnt.
Die Karriereplanung der Unternehmen nimmt auf solche Talentfragen meist wenig
Rücksicht; fachliche Aufstiegswege sind dünn gesät. Sollten Sie also zu diesen
Experten gehören, bei denen aus Karrieregründen die Übernahme einer Führungsaufgabe
ansteht, überlegen Sie lieber noch mal: Will ich das wirklich? Bin ich bereit,
mich von inhaltlichen Interessen zu lösen und statt dessen andere arbeitsfähig
zu machen und zu halten? Oder sollte ich mich doch nach attraktiveren fachlichen
Projekten umsehen, um meine Expertise auszubauen?
Wenn Führung das ist, was Sie wollen, dann steht eine nüchterne Bestandsaufnahme
an: Kann ich motivieren? Kann ich fordern, begeistern, anerkennen, trösten?
Kann ich delegieren und mich auf unterschiedliche Personen einstellen? Was fällt
mir im Umgang mit anderen schwer? Wenn Sie in Ihrer Selbsteinschätzung unsicher
sind, fragen Sie Ihre Freunde oder Ihre Partner. Bereiten Sie sich darauf vor,
im Sinne einer verständigen Pflichterfüllung - vermutlich gehen Sie manchmal
auch zu langweiligen Geselligkeiten - zumindest Minimaltechniken der Kontaktarbeit
zu erlernen. Dazu gehören Fähigkeiten wie zuhören können, Konflikte konstruktiv
austragen und auch zwecks Perspektivwechsel in die Schuhe des Gegenübers schlüpfen.
Diese sich anzueignen ist sicher für manche Menschen nicht einfach. Scheuen
Sie sich nicht, professionelle Unterstützung für diesen neuen Job zu engagieren.
In Ihrem Metier sind Sie bereits Experte, als Führungskraft wollen Sie erst
einer werden.
Die Autorin ist Karriereberaterin und Diplompsychologin in Berlin.
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